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| Motorradtour Schweden/Nordkapp Sommer 1996 |
Ich mit einer Honda Africa Twin und Ralf Kulessa mit einer BMW R80 GS.
Ein Reisebericht von Markus Scheilen.
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| 2. Tag: Sonntag, den 11.August |
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Ziemlich gut ausgeschlafen beginnen wir den Tag
um 7:00 Uhr. Gewaschen wird sich nicht, aber mit dem Wasser aus unserem Wassersack
machen wir uns ein Frühstück mit Bratkartoffeln und Ei und heissem
Tee. Nachdem Frühstück haben wir unser Zelt abgebaut und uns wieder
auf den Weg gemacht. Um 10:00 Uhr waren wir auf der Fähre, die von Puttgarden
nach Rodby / Dänemark fährt. Auf der Fähre haben wir noch einen
erfahrenen Schwedenfahrer getroffen. Mit ihm haben wir uns während der
Fahrt ein wenig unterhalten können. Er befährt des öfteren
Schweden mit seinem Motorrad und hat sogar in Schweden ein kleines Ferienhäuschen.
Die Fahrt mit der Fähre verlief ereignislos, kein Kentern und der gleichen.
In Rodby angekommen, nehmen wir die schnellste Strecke nach Dragör. Die
Strecke hätten wir auch eigentlich Segeln können, so stark war der
Seitenwind von Osten. Am schlimmsten waren die Böen, richtige harte Schläge.
Auf der Fähre von Dragör nach Malmö haben wir dann zu Mittag
gegessen. In Malmö habe ich dann noch schnell Devisen gewechselt. Für
440,-DM kriegt man 2000,-SKr. Da wir Nachmittags bei der Familie Danielssin
in Höör erwartet wurden, war keine Zeit mehr für einen Stadtbummel
in Malmö. Bis nach Höör haben wir nochmal anderthalb Stunden
gebraucht. In Höör angekommen, stellte Ralf leider fest, dass er
die neue Adresse der Familie nicht dabei hatte. Aber er besass die Telefonnummer
und die hatte sich nach dem Umzug nicht geändert. Maria, die 15 Jahre
alte Tochter holte uns am Ortseingang mit dem Fahrrad ab. So waren wir um
16:00 Uhr am Ziel. Wir haben dann noch bis 2 Uhr nachts im Wohnzimmer gesessen
und uns über Gott und die Welt unterhalten. Ralf, Maria und ich haben
noch einen kleinen Nachtspaziergang unternommen, so dass es 3 Uhr war, als
wir endlich schlafen gehen konnten.
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| 3. Tag: Montag, den 12.August |
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Ralf und ich sind erst um 9 Uhr aufgestanden und
haben in aller Ruhe gefrühstückt und dann unsere Maschinen wieder
beladen. Um 11 Uhr haben wir dann Höör verlassen, schweren Herzens,
denn wir haben uns sehr wohl gefühlt. Wir haben beschlossen, so schnell
wie möglich nach Norden zu fahren, um dass gute Wetter auszunutzen. Da
der Wind nicht mehr ständig so stark von der Seite wehte, konnten wir
recht angenehm fahren und trotz langer Mittagspause von einer Stunde, haben
wir heute eine Strecke von 430km zurückgelegt. Die Mittagspause haben
wir an einem See gemacht und einige Einheimische machten das auch. Das Wetter
hätte uns beinahe auch noch zum Baden verleitet, aber wir wollten heute
noch weiterkommen. Gegen 18:00 Uhr haben wir uns in der Nähe von Askarsund
an einem See einen abgelegenen Platz für die Nacht gesucht. Wir hatten
wirklich eine gute Nase und fanden ein idyllisches Plätzchen mit kleiner
Anlegestelle. Schnell das Zelt aufgebaut und 5 Minuten später waren wir
splitterfasernackt im See. Aber Ralf ist eine Frostbeule und hat nach wenigen
Minuten wieder das Wasser verlassen. Aber ich fand es einfach herrlich und
sehr erfrischend. Den grossen See hatten wir ganz für uns alleine und
später kochten die Nudeln im Topf. Dieses Gefühl von Freiheit und
Unabhängigkeit war unbeschreiblich. Am Abend liess der Wind etwas nach
und schon plagten uns die Mücken. Wir haben das von Ralf mitgebrachte
Mittel ausprobiert und in der Tat, die Körperstellen, die wir uns einrieben,
blieben von den Mücken verschont. Leider hatte ich keine Schuhe an und
die Socken waren kein Hinderniss für die Mücken. Das sollte ich
noch für mehrere Tage zu spüren bekommen. Ich habe dann noch bis
Mitternacht am See gesessen und mir die Sterne am klaren Himmel betrachtet.
Ich habe auch noch drei Sternschnuppen zu sehen bekommen. Das war ein schöner
Abschluss für einen anstregenden Tag.
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| 4.Tag: Dienstag, den 13.August |
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Der Tag beginnt für uns um 8 Uhr und in aller
Ruhe. Der Platz ist einfach zu schön. Ralf hat gleich schon angefangen
Tee zu kochen und wir haben uns in aller Ruhe unsere mitgebrachten Brötchen
auf dem Steg schmecken lassen. Danach mussten wir eine kleinere Reparatur
an meinen Kofferträgern durchführen. Ich hatte mir bei der Suche
nach einem Rastplatz, bei der ich querfeldein durch den Wald gefahren bin,
an einem Baum den linken Kofferträger verbogen. Nachdem dieser wieder
geradegebogen und der Rastplatz geräumt war, habe ich mich nochmal ins
Wasser gestürzt. Bei einer Wassertemperatur von 20°C eine erfrischende
Angelegenheit. Ralf habe ich nur "Feigling!" zugerufen, da war der
auch schon im Wasser. Wir haben uns dann noch gegenseitig fotografiert, wie
wir den Berghang unseres Rastplatzes hochgefahren sind. Typisch Männer!
Vor uns liegt noch ein langer Weg bis zum Nordkap. Heute haben wir eine Strecke
von 540km geschafft. Mittagspause haben wir an einem alten Hochofen in der
Nähe von Ludsvika gemacht. Die Strecke war einfach gigantisch. Hunderte
von Kilometern nur Nadelwald. Dazwischen immer wieder mal ein See. Wir wollten,
wenn es zeitlich zu machen war, noch bis Östersund fahren. Dafür
waren wir dann doch zu müde. Gekommen sind wir bis Sveg. Dort haben wir
wir uns auf die Suche nach einem Rastplatz gemacht. Wir haben uns einige Plätze
angeschaut. Der eine war oben auf einem grösseren Hügel und viel
zu staubig, der andere zu nahe an einem Campingplatz. Dann haben wir endlich
einen Platz an einem See mit Sandstrand gefunden. Aber die Freude währte
nur kurz, denn hier wimmelte es nur so von Mücken. Ich bin aber trotzdem
ins Wasser. War keine gute Idee. Denn Tausende von Mücken taten das selbe
wie ich . Ralf und ich haben schnell gegessen, denn wir mussten uns ständig
der Mücken erwehren. Danach haben wir den Platz für die Nacht vorbereitet.
Motorradklamotten und ähnliches kommen dann immer in den Packsack, damit
sie über Nacht nicht feucht werden. Als wir uns in das Zelt zurückgezogen
haben, hat Ralf gemerkt, das er seine Uhr auf dem Rastplatz der vergangenen
Nacht zurückgelassen hat. Nachdem er allse durchsucht hatte und es keine
Chance bestand, sie doch irgendwo verpackt zu haben, möchte er am liebsten
Morgen die 540km wieder zurückfahren. Mal sehen, was der Morgen bringt.
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| 5. Tag: Mittwoch, den 14.August |
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Heute bin ich schon um 5 Uhr wach, weil ich geglaubt
habe einen Elch zu hören. Als ich das mitgebrachte Thermometer kontorllierte,
zeigte es draussen 5°C und im Zelt 10°C an. Wir sind auch nur noch
ca. 350km vom Polakreis entfernt. Der Platz vom Dienstagabend war einfach
unübertreffbar, denn dieser ist trotz seiner Schönheit eine einzige
Mücken- und Fliegenplage. Es will auch einfach keine Gemütlichkeit
aufkommen. So wird relativ still gefrühstückt. Ralf ist davon überzeugt,
die Uhr irgendwo in seinem Gepäck vergraben ist und dass wir weiter zum
Nordkap fahren sollen. Ich denke, wir waren beide froh, diesen Platz hinter
uns lassen zu können. Unser heutiges Ziel ist Europas 2. grösster
Wasserfall in Tännforsen. Nach ca. 300km ist unser Ziel erreicht. Das
Brausen und Tosen der Wassermassen war wirklich sehr eindrucksvoll. Ein Teil
der selben Strecke sind wir wieder zurückgefahren, um kurz vor Östersund
wieder Richtung Norden auf die 339 nach Strömsund zu fahren. Die Strasse
339 war wirklich ein Erlebnis. Unvermittelt wechselt der Strassenbelag von
Asphalt zu Schotter. Und das nicht nur ein paar hundert Meter, sondern gleich
viele Kilometer lang. 3 mal mussten wir uns auf wechselnden Bodenbelag einstellen.
Das fordert einen wirklich. Erst schläffert dich die Asphaltpiste mit
dem Geradeauslauf ein, und plötzlich wirst du von einer kurvigen Schotterpiste
wachgerüttelt. In Strömsund haben wir noch einmal getankt und für
den Abend etwas zu Essen besorgt. Wir haben dann nach 60km bis Holting zurückgelegt
und dort einen Campingplatz aufgesucht. Der Wunsch nach einer Dusche war stark!
Der Platz ist sehr sauber und die Duschen sind in Ordnung. Wir werden früh
schlafen gehen, weil wir mal endlich vor 9 Uhr auf die Piste kommen wollen.
Heute gefahrene Strecke: 515km.
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| 6. Tag: Donnerstag, den 15.August |
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Ja, Ja, so ist das mit den guten Vorsätzen.
Es war viertel vor zehn, als wir Holting verliessen. Der Morgen war sonnig,
aber auch jetzt haben uns Mücken und Fliegen keine Ruhe gelassen. So
suchen wir Erholung auf der Piste. Nach 100km zog sich der Himmel zu und es
wurde so kalt, dass wir anhielten und unsere Winterausrüstung angezogen
haben. 10 Minuten später fing es dann auch noch zu regnen an. Trotzdem
hatten wir unseren Fahrspass, aber wir mussten uns schon auf die Strecke konzentrieren.
Um 14 Uhr haben wir Rast in Arvidsjaur gemacht. Da hatte ich ein richtiges
Tief, weil wir 150km durch Regen gefahren sind und keine Besserung in Sicht
war. Als wir um 15 Uhr den Ort verlassen haben, hatte es es gerade aufgehört
zu regnen. Und nach nach 50km war der ganze Spuk vorbei. Wir hatten wieder
herrliches Wetter. Die Landschaft entlang der 45 hat sich allmählich
verändert. Viel Heidemoos und Sümpfe. Der Wald besteht aus Mischwald
und wächst nicht mehr so hoch wie im Süden. Was zur Folge hat, dass
der Wind wieder an Stärke zugenommen hat. Heute sind uns einige Rentiere
über den Weg gelaufen und wir mussten ein paar mal anhalten, um die Tiere
passieren zu lassen.
Wir haben heute 568km zurückgelegt und wieder war die Strecke ein Erlebnis.
Die Strasse ist grösstensteils in einem schlechten Zustand und hat viele
Schlaglöcher und Bodenwellen. Du wirst also von der Strasse durchgeschüttelt
und der wind treibt sein Spiel mit dir. Einfach herrlich! Kurz vor Jokkmok
haben wir dann den Polarkreis erreicht. Natürlich haben wir angehalten
und haben ein Foto von uns und dem Schild gemacht. In Jokkmok habe wir uns
nicht lange aufgehalten, es war nichts los und der Ort nicht so viel hermachte,
wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir sind dann noch 90km Richtung Norden
gefahren und haben uns in Dundret eine Hütte gemietet. Der reine Luxus,
dass kann ich euch sagen, 4 Betten, WC, Dusche, Küche, grosser Tisch
und Fernseher. Haben wir uns nach 3000km und 6 Tagen wirklich verdient. Das
Hotel und die Hütten liegen in einem Skigebiet ca. 600m hoch und wir
haben wirklich einen tollen Ausblick. Habe am Abend noch ein Foto von der
Dämmerung und der unter uns gelegenen Stadt Gällivare gemacht.
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| 7. Tag: Freitag, den 16.August |
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Ich denke, die Übernachtung in der Hütte
hat uns beiden gut getan. Ausserdem konnten wir im Fernseher einen Wetterbericht
sehen, der für die nächste Woche einen positiven Wetterlauf prognostizierte.
Gut erholt machen wir uns wieder auf den Weg. Diesmal sogar um 9 Uhr. Nach
50m mussten wir schon wieder halten, denn uns kamen in aller Seelenruhe drei
Rentiere auf der Bergstrasse entgegen. Schnell ein Foto gemacht und dann weiter
auf die 45 nach Kiruna. Schon 100km vor Kiruna merkt man, dass wir uns dem
grössten Eisenerzbergwerk der Welt nähert. Neben der Strasse laufen
riesige Förderbände bis zur Stadt. Die Stadt selber wirkt fast so
wie im Ruhrpott, wenn da nicht noch die typische Schwedische Umgebung wäre.
Um 14 Uhr fahren wir mit einem Linienbus in das Bergwerk Kirunavara ein. In
170m Tiefe erreichen wir einen stillgelegten Stollen, der als Museum dient.
In diesem Stollen wurde eine Maschine vorgeführt, die Bohrungen für
Sprengladungen anlegte. Eine riesige Kipplore wurde auch kurz in Aktion gezeigt.
In einem Film wurde noch einmal ausführlich die Arbeitsweise und Beschaffenheit
des riesigen Bergwerks beschrieben. Innerhalb des Bergwerksystems befindet
sich ein Strassennetz von 400km Länge. In einem Ausstellungsraum konnten
wir verschiedene Bohrer und Werkzeuge unterschiedlicher Epochen bestaunen.
Ausserdem waren Modelle vorhanden, an denen wir die Weitläufigkeit und
Verzweigeungen der Stollen in allen Ebenen erkennen konnte. Einfach Gigantisch!
Wie ein riesiger Ameisenhaufen. Um 16:45 Uhr haben wir Kiruna wieder verlassen,
um das Nordkap endgültig in Angriff zu nehmen. Wir sind heute 452km gefahren.
Davon 50km in Finnland und am Schluss 80km durch Norwegen bis kurz vor Kautekino.
Auf der Fahrt war es heute schon ziemlich kalt, so an die 11°C. Als wir
um 19:15 Uhr anhielten, um einen potentiellen Rastplatz zu begutachten, waren
wir in kürzester Zeit Zeit von Tausenden von Mücken umzingelt. Wir
sind dann regelrecht geflohen und haben einmütig beschlossen, für
diesen Abend wieder eine Hütte zu suchen. Nach 15 Minuten hatten wir
dann so was wie ein Norwegisches Motel gefunden. Die Hütte war kleiner
und nicht so gut ausgestattet, wie die von gestern in Dundret, aber trotzdem
gemütlich und eine Kochstelle war auch vorhanden. Wir werden heute früh
ins Bett gehen, da es bis zum Nordkap nur noch 300km sind und wir bis zum
Mittag unser Ziel erreichen wollen. Aber daraus ist dann nichts geworden.
Die Besitzerin des Motels hat uns in das Lappenzelt zu einem Kaffee am Abend
eingeladen. Nachdem ich mich gewaschen hatte, bin ich gegen 23:00 in das Zelt
gegangen. Der Boden war mit Rentierfellen ausgelegt und in der Mitte brannte
ein Lagerfeuer, über diesem hing eine alte, eiserne Kanne mit Kaffee.
Als ich in das Zelt kam, waren nur 5 Deutsche aus Oberbayern anwesend. Ein
Ehepaar mit Tochter und Grosseltern. Später sind dann noch einige Norweger
ins Zelt gekomen, mit denen wir uns auf Englisch unterhalten haben. Dann ist
auch Alkohol geflossen. Zuerst hatte der Grossvater seinen Obstler kreisen
lassen, danach hat der Norweger seinen Cognac-Spezial geholt. Es war sehr
lustig, aber beim Alkohol habe ich mich zurückgehalten. Ich musste morgen
ja wieder fahren! Am Ende war der Norweger und die Grossmutter aus Bayern
ziemlich beschwipst. Ralf ist leider ins Bett gegangen, um eine Halsentzündung
auszukurieren.
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| 8. Tag: Samstag, den 17.August |
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